Talentförderung im Fokus: So entwickelt der LFV Baden die Fußballer von morgen

Er ist zwölf Jahre alt, trainiert dreimal pro Woche und träumt davon, eines Tages in der Bundesliga zu spielen. Leon S. aus Rastatt ist kein Ausnahmetalent – aber er repräsentiert eine Generation junger Fußballer, die im Badischen Fußballverband systematisch gefördert werden. Das Konzept dazu heißt: Nachwuchsleistungszentren auf Kreisebene.

„Wir wollen Talente früh erkennen und gezielt fördern – aber nicht auf Kosten der Schulausbildung und der sozialen Entwicklung“, erklärt Jugendkoordinatorin Dr. Anna Fischer vom LFV Baden. „Unser Ziel ist es, aus jedem Kind den bestmöglichen Fußballer zu machen, der er oder sie sein kann. Nicht mehr, nicht weniger.“

Vier Säulen der Nachwuchsförderung

Das Förderkonzept des LFV Baden basiert auf vier Säulen: technischem Training, taktischer Bildung, mentaler Stärke und persönlicher Entwicklung. „Wir wollen keine Roboter, die nur Fußball spielen können“, so Fischer. „Wir wollen junge Menschen, die auf dem Platz und im Leben erfolgreich sind.“

Konkret bedeutet das: In den 14 Nachwuchsstützpunkten, die der Verband im Laufe der letzten drei Jahre aufgebaut hat, werden rund 800 Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 17 Jahren betreut. Sie kommen aus über 80 verschiedenen Vereinen und treffen sich einmal pro Woche zum Stützpunkttraining.

Scouting: Die Talentsuche im Amateurfußball

Wie werden Talente gefunden? „Wir schicken unsere Scouts regelmäßig zu Jugendturnieren, Kreisligaspielen und Schulsportturnieren“, erklärt Scout-Koordinator Marco Braun. „Wir suchen nicht nur nach dem besten Torschützen, sondern nach Kindern, die Spielfreude haben, sozial kompetent sind und schnell lernen.“

Ein wichtiges Kriterium ist dabei die Entwicklungsperspektive. „Ein Kind, das mit zwölf Jahren noch etwas tapsig wirkt, kann mit fünfzehn eine komplette Verwandlung durchmachen“, weiß Braun. „Deshalb schauen wir nie nur auf den aktuellen Stand, sondern immer auf das Potenzial.“

Frauenfußball: Gleichberechtigung ernst genommen

Ein besonderes Anliegen ist dem LFV Baden die Förderung des Mädchen- und Frauenfußballs. Seit der WM 2023 hat das Interesse am Frauenfußball spürbar zugenommen – und der Verband reagiert darauf mit einem massiven Ausbau der Förderangebote.

„Wir haben die Zahl der Mädchen in unseren Stützpunkten in den letzten zwei Jahren verdoppelt“, berichtet Fischer. „Das ist eine tolle Entwicklung. Aber wir wissen auch, dass wir noch viel mehr tun können und müssen.“ Konkret plant der Verband, bis 2028 vier weitere Mädchen-Stützpunkte zu eröffnen.

Zusammenarbeit mit Schulen

Ein Schlüsselbaustein des Förderkonzepts ist die enge Zusammenarbeit mit Schulen. In Kooperation mit 23 Schulen im Verbandsgebiet bietet der LFV Baden spezielle Fußball-AGs und Schulkooperationsklassen an. Hier werden Fußballtraining und Schulunterricht optimal aufeinander abgestimmt.

„Die Schule ist kein Hindernis für den Fußball – sie ist sein bester Freund“, sagt Rektor Thomas Becker von der Albert-Einstein-Schule in Karlsruhe, die als erste Schule im Verband eine Fußball-Kooperationsklasse eingeführt hat. „Unsere Schüler lernen Disziplin, Teamgeist und Ehrgeiz – auf dem Platz und im Klassenzimmer.“

Leon aus Rastatt hat übrigens gute Chancen, im nächsten Jahr in den Verbandskader berufen zu werden. Sein Trainer ist überzeugt: „Er hat das Zeug zum Profi. Aber wichtiger ist mir, dass er ein guter Mensch wird. Den Rest regeln Fleiß und Talent.“ Das ist vielleicht die wichtigste Botschaft, die der LFV Baden mit seinem Nachwuchskonzept vermitteln will.